Organisation und Personal
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1405 Überstunden – wenn das Zeitkonto explodiert

1405 Überstunden in einem Jahr. Nein, das ist kein Tippfehler. Und nein, das ist auch kein neues Fitnessprogramm für besonders ehrgeizige Verwaltungsmitarbeiter.

Ein Beamter in Spanien hat laut einem aktuellen Medienbericht genau diese Zahl angesammelt – und damit so viele Überstunden, dass er am Ende mehr Geld durch Mehrarbeit erhalten haben soll als durch seine reguläre Tätigkeit. Man könnte sagen: Sein Arbeitszeitkonto hatte ein Eigenleben entwickelt.

Auch wenn der Fall nicht in Deutschland spielt, lohnt sich ein Blick darauf. Denn ganz ehrlich: Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, kennt das Thema Überstunden nur zu gut.

Überstunden im öffentlichen Dienst – ganz normal, oder?

Überstunden gehören in vielen Verwaltungen inzwischen fast zum guten Ton.
Haushaltsengpässe, Personalmangel, neue Aufgaben, alte Verfahren – und am Ende heißt es: „Das muss noch schnell erledigt werden.“

Der Unterschied zwischen „mal länger bleiben“ und „systematisch zu viel arbeiten“ ist allerdings fließend. Während ein paar zusätzliche Stunden hier und da kaum auffallen, wird es kritisch, wenn sich Zeitkonten über Monate oder Jahre aufblähen – bis niemand mehr weiß, wie man sie abbauen soll.

1405 Überstunden sind zwar eine Extremform, aber sie zeigen sehr deutlich, was passieren kann, wenn Arbeitszeit nicht aktiv gesteuert wird.

Warum solche Fälle auch bei uns relevant sind

In Deutschland ist die Lage rechtlich klarer geregelt als in dem geschilderten Fall.
Überstunden sollen grundsätzlich durch Freizeit ausgeglichen werden, nicht durch Geld. Trotzdem sehen wir in der Praxis immer wieder:

  • Zeitkonten wachsen still und leise
  • Freizeitausgleich wird „auf später verschoben“
  • Führungskräfte verlieren den Überblick
  • Mitarbeitende arbeiten dauerhaft über ihre Belastungsgrenze hinaus

Und irgendwann stellt sich die Frage: Wann soll das eigentlich alles noch abgebaut werden – und von wem?

Was wir aus dem Überstunden-Rekord lernen können

Der Fall mag auf den ersten Blick amüsant wirken. Auf den zweiten Blick ist er vor allem eines: ein Warnsignal.

Überstunden sind kein Zeichen von besonderer Leistungsfähigkeit einer Organisation, sondern oft ein Hinweis auf strukturelle Probleme. Sie können kurzfristig helfen, langfristig aber teuer werden – finanziell, organisatorisch und gesundheitlich.

Oder anders gesagt: Ein volles Zeitkonto ersetzt keine gute Personalplanung.

Ein paar augenzwinkernde Praxis-Tipps

Für Mitarbeiter:

  • Wenn dein Zeitkonto aussieht wie ein kleiner Schuldenberg: sprich es an.
  • Überstunden sind kein Sammelobjekt.
  • Freizeit ist kein Luxus, sondern Ausgleich.

Für Führungskräfte:

  • Überstunden verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert.
  • Regelmäßiger Abbau ist günstiger als spätere Sonderlösungen.
  • Wer Arbeitszeit steuert, führt besser.

Fazit

1405 Überstunden sind vielleicht rekordverdächtig – aber sicher kein Vorbild.
Der öffentliche Dienst braucht keine Helden der Mehrarbeit, sondern klare Strukturen, realistische Planung und einen vernünftigen Umgang mit Arbeitszeit.