Organisation und Personal
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Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz spielt in unserer heutigen Arbeitswelt eine immer wichtigere Rolle. Doch unsichere Zeiten durch äußere Einflussfaktoren und der damit einhergehende Wandel des Arbeitsumfeldes lösen bei vielen Mitarbeitern Ängste und zusätzlichen Druck aus. Von daher ist es wichtig, dass von Organisationen Maßnahmen in die Wege geleitet werden, damit die Beschäftigten in ihrer Resilienz und (mentalen) Gesundheit unterstützt werden.

In diesem Beitrag werden zunächst die Fragen beantwortet, warum mentale Gesundheit am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle spielt und welche Faktoren die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz beeinflussen. Anschließend werden sieben Tipps geben, wie Organisationen die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz steigern können.

Warum spielt die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle?

Die tägliche Arbeit und die entsprechenden Arbeitsbedingungen hängen oft eng mit der mentalen Verfassung einer Person zusammen. Eine Intensivierung der Arbeitsbelastung, ein unsicheres Arbeitsverhältnis oder mangelnde Entscheidungsfreiheit können die Psyche der Arbeitnehmer stark belasten.

Mentale Probleme führen zu hohen Kosten. Der täglich empfundene Stress und daraus resultierende psychische Belastungen stellen das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen. In der Europäischen Union sind laut dem Bundesministerium für Gesundheit schätzungsweise rund 50 Millionen Menschen von Depressionen, Erschöpfung und Suchterkrankungen betroffen. Das führt zu hohen Kosten – nicht nur für die Behandlung akuter Erkrankungen, sondern auch durch einen wirtschaftlichen Verlust aufgrund verminderter Produktivität am Arbeitsplatz bzw. hoher Fehlzeiten.

Hohe Fehlzeiten werden immer häufiger durch psychische Erkrankungen verursacht. Aus diesem Grund erlangt die Förderung und Prävention mentaler Gesundheit einen immer höheren Stellenwert für Arbeitgeber. Dadurch können immense Kosten durch hohe Fehltage verringert und die Produktivität der Mitarbeiter gesteigert werden. Durch entsprechende Präventionsmaßnahmen kann also ein großer Beitrag zum Unternehmenserfolg geleistet werden.

Darüber hinaus ist die mentale Gesundheit in gesetzlichen Regelungen verankert.  Denn Arbeitgeber sind zu einer „menschengerechten Gestaltung der Arbeit“ verpflichtet. Technik, Arbeitsorganisation, sonstige Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Einfluss der Umwelt auf den Arbeitsplatz müssen laut Arbeitsschutzgesetz sachgerecht miteinander verknüpft werden. Nach § 5 Abs. 1 ArbSchG hat der Arbeitgeber durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Dazu zählen gemäß § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG auch psychische Belastungen bei der Arbeit.

Welche Faktoren beeinflussen die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz?

Folgende Faktoren können Einfluss auf die mentale Gesundheit der Beschäftigten haben:

  • Arbeitsplatzunsicherheit und das Vertragsverhältnis,
  • Arbeitsumfang und -intensität,
  • Arbeitszeitgestaltung und Work-Life-Balance,
  • Gestaltung des Arbeitsplatzes,
  • Zugehörigkeit und Verhältnis zu den Kollegen,
  • Entscheidungs- und Handlungsspielraum und
  • Betriebsklima und Management

7 Tipps zur Verbesserung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz

1) Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz offen thematisieren

So gelingt es: Stellen Sie sicher, dass mentale Gesundheit kein Tabu-Thema ist. Es muss für Ihre Mitarbeiter klar sein, dass sie sich jederzeit an den Vorgesetzten oder eine vertrauensvolle Person aus dem HR-Bereich wenden können. Es kann auch hilfreich sein, die Möglichkeit einer virtuellen Therapie anzubieten. Der Vorteil liegt darin, dass diese anonymisiert stattfinden – vielen Beschäftigten fällt es schwer, sich im direkten Zwiegespräch mit Kollegen oder Vorgesetzten zu öffnen. Sie können Ihren Arbeitnehmern auch Seminare und Workshops zur Stressbewältigung anbieten. Hierbei werden Beschäftigte geschult, die Reißleine zu ziehen, noch bevor sie an einem Erschöpfungssyndrom leiden. Workshops können entweder intern, z. B. vom HR-Team, oder von externen Experten, die sich auf diese Themen spezialisiert haben, organisiert werden.

2) Ein wertschätzendes Miteinander Team fördern

So gelingt es: Durch die Einführung virtueller Kaffeepausen und arbeitsfreier Kommunikationskanäle kann die Zugehörigkeit und das Verhältnis der Kollegen untereinander verbessert werden. Eine weitere Möglichkeit zur erheblichen Steigerung des Gemeinschaftsgefühls kann das Gründen von Clubs oder Communities von Beschäftigten mit ähnlichen Interessen sein. Due treffen könnten online oder offline stattfinden und für großen Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern führen. Somit wird nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern auch die Mitarbeiterbindung an die Organisation erhöht. Ein gemeinsames Sportprogramm stellt eine weitere Möglichkeit dar. Dadurch wird ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag geschaffen und gleichzeitig das Teambuilding erhöht.

3) Eine gesunde Work-Life-Balance ermöglichen

So gelingt es: Achten Sie auf regelmäßige Pausen. Insbesondere im Homeoffice ist dies ein wichtiger Punkt, da es dort vielen Mitarbeitern schwerfällt, während der Pausen oder nach Feierabend abzuschalten. Den Beschäftigten Optionen für mehr Flexibilität und Freizeit anzubieten, führt ebenfalls zu einer Steigerung der Zufriedenheit. Vielen fällt es heutzutage schwer, Karriere und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen. Von daher kann es hilfreich sein, wenn Vorgesetzte ihren Mitarbeitern Teilzeit- oder flexible Arbeitszeitmodelle anbieten. Die Einführung von „Ich-Zeiten“ kann auch eine gute Maßnahme sein. Damit ist gemeint, dass den Beschäftigten z. B. gestattet wird, eine Arbeitsstunde pro Woche für ehrenamtliche Arbeit oder Sport zu nutzen. Den Mitarbeitern kann hierdurch Wertschätzung vermittelt werden.

4) Regelmäßige Teambuilding-Aktivitäten anbieten

So gelingt es: Gemeinsame Aktivitäten können Teams enger zusammenschweißen. Daher sollten in regelmäßigen Abständen gemeinsame Aktivitäten geplant werden.

5) Feedback einholen und Anerkennung weitergeben

So gelingt es:  Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, Feedback zu geben – etwa im Rahmen jährlicher Feedback-Gespräche. Dabei können dem Beschäftigten ihr Entwicklungspotenzial, Verbesserungsmöglichkeiten und den nächsten Karriereschritt aufzuzeigen. Dabei sollte auch der mentale Gesundheitszustand thematisiert werden. Die allgemeine Stimmung im Team sollte abgefragt werden – auch hinsichtlich des derzeitigen Workload-Umfangs. So kann bei Bedarf frühzeitig gehandelt werden und die Organisation läuft keine Gefahr, geschätzte Mitarbeiter zu verlieren. Des Weiteren sollte auch stets darauf geachtet werden, den Arbeitnehmern gegenüber regelmäßig Lob und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen.

6) Auf eine transparente Kommunikation innerhalb der Organisation zu achten

So gelingt es: In jeder Organisation kommt es hin und wieder zu Konflikten oder Herausforderungen. Wichtig ist es dann, dass diese offen kommuniziert und betroffene Parteien in einen konkreten Lösungsweg eingebunden werden. Auch sollten Sie Ihren Mitarbeitern Arbeitsplatzsicherheit bieten. Denn ein sicheres, unbefristetes Arbeitsverhältnis ist enorm wichtig für das Wohlbefinden der Arbeitnehmer. Da die heutige Zeit von sehr vielen Unsicherheiten geprägt sind, sollten Vorgesetzte ihren Mitarbeitern auch regelmäßig Einblicke geben, inwieweit die eigene Organisation von der sich verändernden politischen oder wirtschaftlichen Lage betroffen ist.

7) Den Mitarbeitern Raum für die persönliche Weiterentwicklung geben

So gelingt es: Arbeitnehmer sollten, entsprechend ihrer Position, in Entscheidungen einbezogen werden oder die Möglichkeit bekommen, selbst Entscheidungen zu treffen. Dieser zugesprochene Freiraum schafft Vertrauen und stärkt das Selbstbewusstsein des Beschäftigten. Sie können Ihren Mitarbeitern auch Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten aufzeigen, um sie lange in der Organisation zu halten und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Die Aussicht auf den nächsten Karriereschritt steigert die Motivation und schafft Selbstvertrauen. Darüber hinaus kann den Arbeitnehmern die Teilnahme an Weiterbildungsmöglichkeiten ermöglicht werden. So erhalten sie die Befähigung für den nächsten Karriereschritt sein. Diese persönliche Weiterentwicklung ist für viele Mitarbeiter entscheidend, um langfristig zufrieden zu sein.